Was sind barrierefreie Websites?

Barrierefreie Webseite sind Seiten, die allen Benutzern des Mediums Internet zugänglich sind. Mit allen sind gerade solche Benutzer und Benutzerinnen gemeint, die nicht nur die Informationen am Bildschirm lesen, sondern eventuell andere Ausgabemedien benutzen oder die Navigation nicht mit der Maus steuern können. Es sind Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen (Sehbehinderung, Einschränkungen der Motorik, Lernbehinderung, etc.) oder

solche, die vielleicht nicht die neueste Hardware besitzen oder den schnellsten Zugang zum Internet haben.

Gerade für Menschen mit Behinderungen ist das Medium Internet sehr wichtig und nimmt bei ihnen eine hohe Bedeutung ein, denn durch das enorme Informationsangebot im Internet erreichen Sie eine höchstes Mass an Selbstständigkeit.

Etwas Geschichte

Schon 1999 wurden vom World Wide Web Consortium (kurz W3C) die ersten "Web Content Accessibility Guidelines 1.0" aufgestellt und herausgegeben. Die verschiedensten Regierungen, unter anderem die deutsche, amerikanische, britische und australische sind heute per Gesetz dazu verpflichtet, ihren Internetauftritt nach den Richtlinien des W3C zu gestalten. Jedoch geht jede Regierung in anderer Weise mit den Richtlinien um und fordert unterschiedlich starke oder schwache Umsetzung dieser Richtlinien.

Die in Deutschland gültige Verordnung bezieht sich in § 2 auf die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV) des Bundes und die vier Prinzipien des aktuellen Entwurfs der Web Content Accessibility Guidelines 2.0. Um das Thema Barrierefreiheit zu verstehen, muss erst geklärt werden, was und wodurch Barrieren erzeugt werden. Zunächst einmal eine einfache und kurze Idee, was mit Barrierefreiheit gemeint sein könnte: barrierefrei bedeutet den ungehinderten Zugang zu einer Website. Dies beinhaltet technische, physische und inhaltliche Aspekte.

Wird das Thema Barrierefreiheit im Englischen betrachtet, dann kommt häufig der Begriff »accessibility« vor, der im Deutschen mit Zugänglichkeit übersetzt werden kann. Für die technischen Aspekte ist dies vollkommen ausreichend; aber die Nutzbarkeit bzw. Gebrauchstauglichkeit, zu englisch »usability« bleibt hier noch außen vor. Erst beide Aspekte, also die Zugänglichkeit und die Nutzbarkeit zusammen, kommen der Barrierefreiheit näher.

Für die Entwicklung eines barrierefreien Internetauftritts ist es also unerlässlich, sich mit den technischen Barrieren etwas näher zu befassen. Exemplarisch soll hier nur ein Punkt näher betrachtet werden. Die größten Zugangsprobleme im Umgang, nicht nur mit Webseiten, sondern generell mit Software, haben solche Nutzer, die auf eine textorientierte Software angewiesen sind; darunter sind vor allem Hilfsmittel mit Sprachausgabe für blinde Nutzer zu verstehen. Diese Nutzergruppe verwendet hauptsächlich so genannte Screenreader. Dabei kann es verschiedene Ausgabemedien für den Bildschirminhalt geben. Zum einen können Screenreader den Text synthetisch über die Sprachausgabe oder in Blindenschrift über die Braillezeile wiedergeben. Für das WWW existiert hier eine Spezialsoftware, der so genannte Webreader. Diese Software arbeitet ähnlich den Screenreadern. Sie kann Inhalte und Strukturen rein akustisch ausgeben. Lange Zeit war es im Internet gang und gäbe, die Navigation mittels Grafiken bereitzustellen, da die nötigen Techniken fehlten. Nur auf diese Weise war es möglich, graphisch ansprechende Webseiten zu gestalten. Aber Webreader haben keine Möglichkeit, die Inhalte von Bildern zu lesen bzw. wiederzugeben. In (X)HTML gibt es zu diesem Zweck für das Grafikelement <img> die Attribute alt="..." und title="...". Auf diese Attribute wird zurückgegriffen, wenn Grafiken nicht angezeigt werden können. Webreader bieten die Möglichkeit, auf den Text des alt-Attributes zurückzugreifen und den Inhalt akustisch auszugeben.

Es gibt viele weitere mögliche Einschränkungen:

  • Einschränkungen der Motorik

  • Fehlfarbsichtigkeit

  • Sehbeeinträchtigungen

  • sprachliche Einschränkungen

  • etc.

Diese Liste ließe sich beliebig weiter verlängern. Auch das W3C hat die Wichtigkeit der Zugänglichkeit frühzeitig erkannt und bereits mit dem HTML Standard 4 im Jahre 1997 die ersten grundlegenden Mechanismen für ein barrierefreies Webdesign bereitgestellt. Innerhalb des W3C existiert eine eigene Initiative, die Web Accessibility Initiative (WAI), die für die Berücksichtigung von Zugänglichkeitsaspekten in den W3C-Standards zuständig ist. Bereits am 5. Mai 1999 wurden 66 Checkpunkte zu den 14 Themengebieten in den Web Content Accessibility Guidelines 1.0 (WCAG1) veröffentlicht. Darin wird detailliert erklärt, wie ein Webauftritt barrierefrei zu gestalten ist.

Da es eine Vielzahl von Einschränkungen und Behinderungen gibt und ebenso viele verschiedene Hard- und Softwarelösungen, für jeden Fall unter Umständen mehrere, ist es nicht möglich, alles bei der Entwicklung eines barrierefreien Internetauftritts zu berücksichtigen, aber es ist möglich, einen Internetauftritt möglichst vielen Besuchern zugänglich zu machen.

Im Hinblick auf Barrierefreiheit sind mit CSS formatierte Seiten im Vorteil. Die klare Trennung von Inhalt und Layout sorgt für eine erhöhte Zugänglichkeit einer Webseite für Nutzer von Textbrowsern oder äquivalenten Systemen. Diese Zugangssoftware bekommt nur die Struktur und den Text einer Internetseite. Die CSS-fähigen Browser nutzen dann die Stylesheetdatei für die Präsentation. Viele Browser bieten heute dem Benutzer die Möglichkeit, eigene Stylesheetdateien anzulegen und zu verwenden anstelle der vom Entwickler vorgesehen Dateien.

Es ist also möglich, individuelle Darstellungsformen zu nutzen. Diese Möglichkeit bietet insbesondere für sehbehinderte Menschen einige Vorteile, z.B. die Definition eigener Schriftgrößen und Farbkombinationen. Bei der Erstellung von CSS basierten Layouts hat der Entwickler die Möglichkeit, Inhaltselemente aufgrund des verwendeten Box-Modells frei zu positionieren. Eine Webseite ohne CSS-Layout wird in einer linearisierten Version dargestellt. Dabei ist die Reihenfolge des Quelltextes von entscheidender Bedeutung. Wird zum Beispiel die Navigation am Ende einer Webseite positioniert, kann diese mittels CSS frei positioniert und angezeigt werden. Bei der Linearisierung der Seite wird die Navigation dann am Ende der Seite dargestellt.

Durch die Verwendung von CSS ergibt sich ein weiterer positiver Nebeneffekt, denn die Webseiten werden schneller übertragen und damit schneller angezeigt.

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